Niederfrequente elektromagnetische Felder (Elektrosmog)
Um jede stromdurchflossene Hochspannungsleitung entstehen zwei verschiedene Felder: ein elektrisches, das an der Spannung hängt, und ein magnetisches, das am fließenden Strom hängt. Im europäischen Netz schwingen beide mit 50 Hertz (50 Hz).
Das Wichtigste in Kürze
- Wie stark das Feld am Boden wird, entscheidet die Planung. Wie die Stromkreise am Mast angeordnet sind, wie hoch die Seile hängen, an welchem Punkt gerechnet wird — das legt fest, wer die Freileitung plant.Q1 In den drei Unterlagen, mit denen die APG dieses Vorhaben öffentlich erklärt, steht dazu nichts.Q4
- Eine Feldangabe ohne Betriebszustand sagt nichts. Das elektrische Feld ist da, sobald die Leitung eingeschaltet ist. Das magnetische folgt dem Strom und schwankt mit der Auslastung — über den Tag und über das Jahr.Q1
- Am Mast einer Freileitung ist das Feld am schwächsten, in der Spannfeldmitte am stärksten. Auf halbem Weg zwischen zwei Masten hängen die Seile am tiefsten; für das elektrische Feld hält die WHO das ausdrücklich fest. Und weil hohe Last die Seile erwärmt und tiefer hängen lässt, sinkt auch beim Magnetfeld der Bodenabstand.Q1
- Liegt die Leitung im Boden, verschwindet eines der beiden Felder ganz. Über einem erdverlegten Kabel gibt es kein elektrisches Feld; das magnetische bleibt.Q1 Welches Feld an der Oberfläche ankommt, entscheidet damit die Bauweise.
- Was hier „Strahlung" heißt, ist etwas anderes als beim Mobilfunk. Bei 50 Hertz beträgt die Wellenlänge 6.000 Kilometer, abgestrahlt wird praktisch nichts. Deshalb gelten dafür auch andere Zahlen und andere Regelwerke.Q1, Q3
Was gilt
Belegte FaktenWas ist der Unterschied zwischen elektrischem und magnetischem Feld?
Zwei Erscheinungen, zwei Ursachen. Das elektrische Feld entsteht durch elektrische Ladungen; in technischen Anlagen hängen diese an der Spannung — nicht am Strom und nicht an der Leistung. Das magnetische Feld entsteht durch bewegte Ladungen und ist deshalb dem Strom proportional, unabhängig davon, mit welcher Spannung gearbeitet wird.Q1, Q5
Daraus folgt fast alles Weitere. Solange die Freileitung unter Spannung steht, ist ihr elektrisches Feld da. Das Magnetfeld atmet mit der Last: Leitungen laufen üblicherweise deutlich unter ihrer Nennlast, die tatsächlich auftretenden Magnetfelder liegen daher meist erheblich unter dem, was eine Leitung theoretisch erzeugen kann.Q1 Das entlastet jeden Durchschnittswert und belastet jede Auskunft: Wer eine Feldstärke nennt, ohne den Betriebszustand dazuzusagen, hat nichts gesagt. Daran scheitern die Ländervergleiche.
Gegen das Magnetfeld hilft nichts, was ein Wohnhaus mitbringt: Beeinflusst wird es nur von ferromagnetischem Material, und eine Abschirmung damit ist praktisch nur für kleine Bereiche eine Option. Beim elektrischen Feld ist es umgekehrt — jedes geerdete leitfähige Objekt verändert es, vom Baum bis zur Hauswand, und ein Metallgehäuse wirkt bei Netzfrequenz praktisch als vollständiger Schirm.Q1 Zwei Feldarten, zwei Antworten: Wer nach „dem Feld" fragt, ohne die Feldart zu nennen, bekommt keine.
Was bedeutet 50 Hz bei einer Stromleitung — und was heißt „niederfrequent"?
Hertz zählt Schwingungen je Sekunde. Die europäischen Stromnetze arbeiten mit 50 Hertz — ein Zyklus dauert 20 Millisekunden.Q1, Q5 „Niederfrequent" bezeichnet den unteren Teil des elektromagnetischen Spektrums; die ICNIRP-Leitlinien fassen darunter den Bereich von 1 Hertz bis 100 Kilohertz.Q3
Wo unter einer Hochspannungsleitung ist das Feld am stärksten?
Nicht am Mast. Am Boden ist das elektrische Feld dort am größten, wo der Durchhang die Seile dem Boden am nächsten bringt — in der Mitte des Spannfelds, also auf halbem Weg zwischen zwei Masten; gegen die Mastenden hin nimmt es ab. Das hält die WHO im Wortlaut fest, und zwar für das elektrische Feld.Q1 Ein deutscher Erläuterungsbericht beschreibt es für die Feldstärken am Boden insgesamt genauso; beschrieben ist dort Physik, nicht deutsches Recht.Q2 Welche Werte in Österreich gelten und wer sie festlegt, führt Grenzwerte in Österreich.
Der Grund ist Geometrie: Beide Felder nehmen mit dem Abstand ab, und der ist in der Spannfeldmitte am kleinsten — für das Magnetfeld nennt die WHO die Höhe der Leiter über Grund ausdrücklich als Einflussgröße. Dazu kommt ein zweiter Effekt: Die Last bestimmt den Durchhang. Höhere Belastung erwärmt die Seile, wärmere Seile hängen tiefer, der Bodenabstand sinkt. Beide Wirkungen der Auslastung zeigen in dieselbe Richtung.Q1 Wer in Mastnähe rechnet, wählt den günstigsten Punkt der Trasse.
Wie es bewertet wird
Positionen DritterHier steht, wer was sagt — nicht, was richtig ist.
Strahlt eine Hochspannungsleitung wie ein Handymast?
Nein, und der Unterschied ist grundsätzlich, nicht graduell. Bei sehr niedrigen Frequenzen ist der abgestrahlte Anteil eines Feldes vernachlässigbar; Abstrahlung wird erst in Entfernungen bedeutend, die groß gegenüber der Wellenlänge sind. Bei 50 Hertz beträgt diese 6.000 Kilometer — in praktischen Expositionssituationen im niederfrequenten Bereich sei Abstrahlung „absolutely negligible", schreibt die WHO.Q1 Was umgangssprachlich Handystrahlung heißt, liegt um Größenordnungen höher; WHO und ICNIRP behandeln die beiden Bereiche deshalb in getrennten Dokumenten.Q1, Q3
Damit ist auch gesagt, was das Wort „Elektrosmog" taugt: Es fasst Dinge zusammen, die physikalisch wenig miteinander zu tun haben. Die Gesundheitsfrage führt Macht eine Hochspannungsleitung krank? Elektrosmog einfach erklärt, die Einstufung der WHO-Krebsforschungsagentur die IARC-Klassifizierung 2B, das Vorsorgeargument das Vorsorgeprinzip. Die Frage, die im Verfahren zählt, lautet ohnehin anders: Wie stark wird das Feld dort, wo Menschen wohnen?
Was bedeutet das für Netzraum Kärnten?
Belegte FaktenAuf rund 173 der etwa 190 Kilometer sollen zwei Stromkreise am selben Mast hängen: die neue 380-kV-Leitung und eine mitgeführte 110-kV-Leitung, durch 36 Gemeinden in Kärnten und Osttirol. Zur Gesamtlänge nennt die APG auf der eigenen Projektseite auch 180 und rund 192 Kilometer.
Wie die APG die beiden Stromkreise am Mast anordnet, entscheidet mit darüber, wie stark das Magnetfeld am Boden ausfällt. Werden sie gleich herum belegt, verstärken sich ihre Magnetfelder. Werden sie gegenläufig belegt, heben sie einander teilweise auf — das Feld nimmt mit dem Abstand dann viel schneller ab. Diese Wahl heißt Phasenbelegung. Wie weit sich zwei Stromkreise tatsächlich aufheben, hängt von der Höhe ihrer Ströme ab; ungünstig gewählte Anordnungen erzeugen am Boden sogar höhere Felder.Q1 Das ist eine Planungsentscheidung, keine Naturkonstante.
In den drei Unterlagen, mit denen die APG dieses Vorhaben öffentlich erklärt — Vorhabenskonzept, Erdkabel-Factsheet und Projektseite —, steht dazu kein Wort: kein Feldwert, keine Norm, kein Messwert. Genannt werden allein „Ortsmessungen elektromagnetischer Felder" (EMF) als künftiger Verfahrensschritt. Stand 06.08.2026.Q4
Offen und im Verfahren zu klären: Welche Phasenbelegung ist für die beiden Stromkreise vorgesehen, an welchen Punkten der Spannfelder wird gerechnet, und für welche Auslastung? Diese drei Angaben muss die UVE (Umweltverträglichkeitserklärung) liefern.
Position von LKoS
Unsere ForderungDieser Abschnitt ist eine Forderung des Vereins, keine Wiedergabe geltenden Rechts.
Forderung des Vereins, keine Wiedergabe geltenden Rechts. Fassung zur Freigabe durch den Vorstand.
Erstens: Für den Bedarf dieser Leitung fehlt bis heute die öffentliche Begründung. LKoS fordert, dass die Nullvariante — das Vorhaben nicht zu verwirklichen — ernsthaft geprüft und begründet wird. Kein Bauwerk, kein Feld, keine Debatte über Betriebszustände. → Alternativenprüfung & Nullvariante
Zweitens: Gerechnet wird an der ungünstigsten Stelle, nicht an der bequemsten. LKoS fordert, dass die APG in der UVE die Feldberechnungen für die Spannfeldmitte bei größtem Durchhang und für die tatsächlich betroffenen Gebäude ausweist — mit offengelegter Auslastung, nicht in Mastnähe.
Drittens: Die Phasenbelegung gehört offengelegt und feldmindernd gewählt. Die WHO führt genau das unter den kostengünstigen Vorsorgemaßnahmen auf: das Belegen und Anordnen der Leiterseile, um die Magnetfelder nahe der Trasse zu senken.Q1 In der Schweiz steht die Optimierung der Phasenbelegung als Maßnahme in einer Verordnung — Schweizer Recht, in Österreich nicht anwendbar.Q6 Wer sie nicht wählt, soll erklären, warum.
Viertens: Wo Menschen wohnen, gehört die Leitung in den Boden. Ein Erdkabel beseitigt eines der beiden Felder an der Oberfläche vollständig; das Magnetfeld bleibt. LKoS fordert das Kabel wegen der Fläche und der Landschaft — dass an der Oberfläche ein Feld verschwindet, kommt den Anrainern zusätzlich zugute. → Erdverkabelung
Wie stark das Feld an einem Haus ankommt, entscheidet nicht die Physik. Das entscheidet, wer die Masten setzt, wie er die Stromkreise belegt — und an welchem Punkt er rechnet.
Was Sie jetzt tun können
- Fragen Sie bei Gemeinde und Behörde nach dem Rechenpunkt, nicht nur nach dem Wert. Solange die APG die Maststandorte noch festlegt, entscheidet sie mit, wo die Spannfeldmitten liegen → Termine · Wie kann ich mich gegen die 380-kV-Leitung wehren — und bis wann?
- Ihre Gemeinde ansprechen. 36 Gemeinden sind betroffen; im Verfahren ist die Standortgemeinde selbst Partei → Parteistellung im UVP-Verfahren · Gemeinden
- Kontakt aufnehmen, solange die Maststandorte festgelegt werden. Wo die Masten stehen, bestimmt, an welchen Punkten überhaupt gerechnet wird — über eine Gesundheitswirkung sagt Ihre Lage nichts → Kontakt
Verwandte Begriffe
Quellen
- Stufe 1WHO mit ILO und ICNIRP: Environmental Health Criteria 238, „Extremely Low Frequency Fields", Genf 2007. Preamble S. xii (Frequenzbereiche: statisch 0 Hz, ELF bis 100 kHz, RF 100 kHz – 300 GHz), Kap. 1.1.1 S. 1 (Felder überall, wo Strom erzeugt, übertragen oder verteilt wird), Kap. 2.1.1 S. 21 f. (elektrische Ladungen hängen an der Spannung, nicht an Strom oder Leistung; Magnetfeld proportional zum Strom, unabhängig von der Spannung; Abstrahlung im ELF-Bereich „absolutely negligible"; Wellenlänge bei 50 Hz 6.000 km), Kap. 2.1.4 S. 23 (50 und 60 Hz als übliche Netzfrequenzen; 20 ms je Zyklus bei 50 Hz), Kap. 2.1.5 S. 24 f. (Magnetfelder nur durch ferromagnetisches Material beeinflusst, „Shielding of ELF magnetic fields with such material is in practice only an option to protect small areas"; elektrische Felder durch leitfähige Objekte beeinflusst, „a metal box is effectively a perfect screen"; geerdete leitfähige Objekte wie Bäume, Hecken, Zäune, Gebäude, Menschen), Kap. 2.2.1.2.1 S. 26 („At ground level, electric fields are highest towards the middle of a span where the sag of the conductors brings them nearest the ground and reduce towards the end of the span"), Kap. 2.2.1.2.3 S. 27 („a buried cable produces no electric field above ground", das Magnetfeld bleibt), Kap. 2.2.2.2.1 S. 30 f. (Phasenbelegung mehrerer Stromkreise; gegensinnige Belegung: „The resultant field falls more nearly as the reciprocal of distance cubed instead of squared"; andere Anordnungen „generally produce higher fields at ground level"; „The height of the currents above ground" als Einflussgröße; Last wirkt auf das Feld direkt und über Seiltemperatur, Durchhang und Bodenabstand; „Lines usually operate at significantly less load than their rating"), Kap. 13.4.1 S. 363 (prudent avoidance; „Low-cost measures that can be taken include routing new power lines away from schools and phasing and configuring power line conductors to reduce magnetic fields near rights-of-way"). →
quellen/WHO_Environmental-Health-Criteria-238-ELF_2026-08-06.pdf - Q2 — Stufe 2 (Planfeststellungsunterlage Deutschland) — Erläuterungsbericht zur 380-kV-Freileitung Kruckel–Dauersberg: stärkste Feldstärken am Boden in der Spannfeldmitte, geringste in Mastnähe. Übernommen aus
daten/faktenblaetter/batch05.csv, Nr. 21; das Dokument liegt nicht als PDF inquellen/vor (offener Punkt 3). Deutsche Planungsunterlage — die österreichische Rechtslage ist eine andere; die zitierte Aussage ist rein physikalisch. Keine Aussage dieses Artikels hängt allein an Q2: Für das elektrische Feld trägt Q1 im Wortlaut (Kap. 2.2.1.2.1), für das Magnetfeld die Höhe der Leiter über Grund als Einflussgröße (Kap. 2.2.2.2.1). - Stufe 1ICNIRP: Guidelines for Limiting Exposure to Time-Varying Electric and Magnetic Fields (1 Hz – 100 kHz), Health Physics 99(6):818–836, 2010; Introduction S. 818 (niederfrequenter Bereich 1 Hz bis 100 kHz; oberhalb 100 kHz sind Wärmewirkungen zu betrachten und gelten eigene Leitlinien; statische Magnetfelder in einem gesonderten Dokument). →
quellen/ICNIRP_Leitlinien-LF-1Hz-100kHz-2010_2026-08-06.pdf - Q4 — Stufe 1 (Eigenangabe des Projektwerbers) — APG: Vorhabenskonzept Netzraum Kärnten (Abschnitt 6, „Ortsmessungen elektromagnetischer Felder"), Factsheet Erdkabel und Projektseite, alle abgerufen 06.08.2026. In keinem der drei Dokumente kommen die Zeichenfolgen „µT", „Mikrotesla", „Grenzwert", „ICNIRP", „8850" oder „R 23" vor; am Textabzug geprüft 08.08.2026. Der Befund ist auf diese drei Dokumente beschränkt und wird im Text nur in diesem Umfang behauptet. →
quellen/APG_Netzraum-Kaernten-Vorhabenskonzept_2026-08-06.pdf,quellen/APG_Netzraum-Kaernten-Factsheet-Erdkabel_2026-08-06.pdf,quellen/APG_Netzraum-Kaernten-Projektseite_2026-08-06.txt - Stufe 2Oesterreichs Energie: Leitfaden „Elektrische und magnetische Felder" (2022), zusammen mit dem deutschen Bundesamt für Strahlenschutz Belegquelle der Faktenblattzeile zu Nr. 21 (zwei getrennt zu betrachtende Felder; 50 Hz in europäischen Stromnetzen). Herausgeber ist die Interessenvertretung der E-Wirtschaft; die Aussage wird hier nur verwendet, soweit sie durch Q1 unabhängig gedeckt ist. Liegt nicht als PDF in
quellen/vor (offener Punkt 3). - Stufe 1BAFU (CH): Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV), Anhang 1 Ziffer 15 Abs. 2 — Maßnahmen zur Begrenzung der magnetischen Flussdichte, darunter ausdrücklich die Optimierung der Phasenbelegung. Schweizer Recht, in Österreich nicht anwendbar; belegt hier allein, dass eine Rechtsvorschrift diese Maßnahme benennt. Faktenblatt
daten/faktenblaetter/batch05.csv, Nr. 22, Status belegt. PDF-Sicherung inquellen/steht aus (offener Punkt 3).
Stand: 2026-08-08 · Geprüft am: — · Geprüft von: —
Entwurf. Die Gegenprüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip steht noch aus; ohne sie geht der Artikel nicht online.